Notizen zu einer anarchistischen Ökonomie und Ökonomik – #NEO19x Abschiedssession an der @hs_fresenius — ichsagmal.com

Auf dem Projektblog der Next Economy Open habe ich ja schon etwas skizziert, mit welcher Session-Idee ich in diesem Jahr aufwarten will. Ich reibe mich am methodologischen Bullshit der Mainstream-Ökonomik. Der Ausschluss von Ereignissen und Relationen, die Ignoranz kommunikativer Welten und die selbstbezüglichen Modellwelten demontieren die Wirtschaftswissenschaft. Wir brauchen etwas Neues: Keine Powerpoint-Weisheiten, die den…

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Wirtschaftstheorie gegen die vorherrschende Lehre – Netzökonomie-Session auf der Next Economy Open 2019 #NEO19x

Was die Mainstream-Ökonomik in Ekstase versetzt, sind nicht wirkmächtige Erklärungen des Wirtschaftsgeschehens, sondern Veröffentlichungen in hoch gerankten Fachpublikationen. Ökonometrie und das experimentelle Design gelten dabei als Ausdruck hoher Wissenschaftlichkeit, führen zu Berufungen an universitäre Lehrstühle, öffnen die Kassen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und bringen Steuergelder in die Drittfinanzierung – etwa über die Blaue Liste des Bundesfinanzministers. Ohne diese 40 bis 50 Millionen Euro, die jedes Jahr im Bundeshaushalt eingestellt werden, könnten die Wirtschaftsforschungsinstitute wohl nicht überleben.

Es fehlen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit ihrer Form der Wissenschaft relevante gesellschaftliche und politische Debatten anstoßen, moniert Professor Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts, in einem Beitrag für den Sammelband „Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung“.

Für neue Forschungsansätze sind das doch ideale Bedingungen. Wir könnten die „Wirtschaftstheorie“ mit einem Gestus der Revolte gegen die vorherrschenden Weltanschauungen aufladen – im Geiste der 68er. Theorie fängt schließlich mit Kulturkritik an und mit Abgrenzung von der herrschenden Lehre – schon Schopenhauer hat das in seinen kleinen philosophischen Schriften „Parerga und Paralipomena“ außerordentlich unterhaltsam zelebriert. Siehe auch: NIEMAND BETREIBT THEORIE OHNE GRUND.

Wir erschaffen eine neue Wissenschaft und verabschieden uns von BWL und VWL. Wie das geht, hat Friedrich Kittler mit der Erfindung der Medientheorie unter Beweis gestellt – in einem antiakademischen Gestus übrigens.

Nennen wir das Ganze einfach „Netzökonomie“ – da sind wir doch in der Next Economy Open-Community schon Trendsetter. Letztlich geht es im wirtschaftlichen Kontext um Kommunikation – also um Netzwerke: Familie, Verwandte, Freunde, Kollegen, Bekannte, Vereinsmitglieder, Stammtische, Nachbarn. „Kommunizieren ist gemeinsames Interpretieren“, so Birger P. Priddat, Professor für Wirtschaft und Philosophie. „Vertraut man bestimmten Netzwerken, kann diese Kommunikation entscheiden, welche Informationen informativ sind und welche nicht.“ Dabei spielen nach Ansicht von Priddat andere Dinge eine Rolle als rein ökonomische: Information, Kommunikation, Netzwerke, Vertrauen – hier befinden wir uns vollständig in der sprachlichen Dimension.

Der unterschätzte narrative Faktor

Die meisten ökonomischen Aktivitäten bestehen aus Überzeugungsarbeit. Realitäten werden über Dynamiken in Netzwerken erzeugt. Das kann man in tradierten Modellen nicht präzise abbilden und vorhersagen. Die Berechnungen der Ökonomik sind systematisch ungenau, weil die Methoden den narrativen Faktor mehr oder weniger ignorieren. Auf dieser Grundlage könne man ermessen, welchen Bullshit die Ökonomik erzählt, wenn sie uns suggerieren möchte, dass in die Zukunft hineingerechnet werden kann. Einbildungen – also Imaginationen – werden für die Entwicklung der Wirtschaft unterschätzt.

„Die Wirkung der Imagination beruht auf der Plausibilität ihrer Erzählung, so dass der Rezipient guten Glaubens werden kann, fortan die Welt aus der Perspektive der Erzählung neu zu betrachten“, so Priddat. Das Wirkliche sei letztlich nichts anderes als das, was verwirklicht wird. Die Poesie der Ökonomie sei eine Produktion von Bedeutungen. Das kann positive und auch negative Wirkungen erzielen.

Priddat, Professor für Wirtschaft und Philosophie, hat einen genialen Weg gefunden, das Lehrgebäude der Ökonomik in seinen Grundfesten zu zerlegen. Die Wirtschaftswissenschaftler betrachten ihre akademische Disziplin bekanntlich wie eine soziale Physik, weil sie so genau, präzise und logisch sei. Problem: Dieser Glaube existiert nur in den Köpfen der Ökonomen. „Nichtökonomen können das nicht prüfen, da sie die Sprache der Ökonomie, insbesondere ihre Algebra, weder kennen noch verstehen“, so Priddat.

Nun ist das mit dem Nichtverstehen nicht so dramatisch. Von Quantenphysik haben die meisten Menschen auch keinen blassen Schimmer. Dennoch gilt die Wirkmächtigkeit dieser Forschungsrichtung. Beim wirtschaftlichen Handeln sieht das aber anders aus. Hier geht es um eine soziale und politische Ökonomie. Die meisten Akteure der Wirtschaft können mit der Sprache der Ökonomen nichts anfangen. Sie nehmen sie nicht zur Kenntnis oder ignorieren sie in ihrem täglichen Schaffen. Das Verhalten der Wirtschaftsakteure ist irrationaler, emotionaler, moralischer, amoralischer, stimmungsabhängiger, kultureller geprägt, sozialer, konventionaler, als es der Normenkatalog der Rationalitäten der Ökonomik zulässt.

„Die Wirtschaft funktioniert wunderbar, ohne dass die Akteure etwas von Ökonomie verstehen – jedenfalls nicht so, wie Ökonomen Ökonomie verstehen“, erläutert Priddat.

Wenn das so ist, was leistet dann die Ökonomik überhaupt für die Analyse der Wirtschaft? Wenn viele nicht verstehen, was Ökonomen sagen: „Mit wem reden Ökonomen dann – außer mit sich selber? Wem erklären sie was? Und – wie funktioniert Wirtschaft dann tatsächlich?“, fragt sich der Wissenschaftler der Universität Witten-Herdecke. Vieles passt einfach nicht rein in die simplen mathematischen Modellwelten. Was algebraisch nicht abgebildet werden kann, bleibt links liegen. Oder man flüchtet sich in kleine Experimente mit völlig irrelevanten Forschungsfragen.

Wir brauchen also neue Beschreibungen und Erklärungen, wir brauchen andere Bilder und Konzepte der Ökonomie. Der methodologische Bullshit der Mainstream-Ökonomik läuft da ins Leere. Der Ausschluss von Ereignissen und Relationen, die Ignoranz kommunikativer Welten und die selbstbezüglichen Modellwelten demontieren die Wirtschaftswissenschaft. Wir brauchen etwas Neues: Narrative Netzökonomie. Das möchte ich in einer #NEO19x Session vertiefen. Vielleicht saufe ich mit dem Konzept auch ab. Egal. An einer Hochschule kann ich sowieso nicht mehr punkten – da sehnt man sich nach Powerpoint-Weisheiten zum Auswendiglernen. Wenn ich scheitere, freut sich wenigstens BachmannRudi auf Twitter, wenn er mich mal gerade nicht blockiert hat.

@condet020274 Wir lagern unsere Verantwortung in „externe“ Strukturen aus – Überlegungen zur Next Economy – Session-Ideen für die #NEO19x gefragt

Rückblick auf eine Next Economy Open-Session vor zwei Jahren:

Arbeiten in Zeiten der Digitalisierung – Session auf der Next Economy Open von Conny Dethloff, Otto Group. Seine Thesen: Wir lagern unsere Verantwortung in „externe“ Strukturen (Prozesse, Methoden, Rollen, Organigramme, Standards, Best Practice, Kennzahlen etc.) aus, um unsere Unsicherheit und Ungewissheit zu absorbieren. Dies ist allerdings nur scheinbar der Fall.

Wir müssen Natur und Mensch wieder mehr in den Vordergrund rücken. Natur und Mensch ist das Maß aller Dinge, nicht Technologie und daraus abgeleitet den Erfolg. Technologie darf kein Selbstzweck sein, sondern nur Mittel zum Zweck. Interessante Live-Session mit einem Exkurs zum Technikphilosophen und Logiker Gotthard Günther (1900-1984). Gotthard kritisierte die isoliert voneinander vorgehenden wissenschaftlichen und technologischen Einzeldisziplinen, die ihre philosophische Verankerung im mechanistischen Weltbild des 19. Jahrhunderts haben. Dieses Weltbild ist der Komplexität und Dynamik der Verhältnisse, in denen wir heute leben, nicht mehr angemessen.

Habt Ihr Session-Ideen für die #NEO19x?

Konkurrenten für Netflix und Co. sind nicht klassische Verlage, der wahre Konkurrent ist der Schlaf #dmexco19 #9vor9 — ichsagmal.com

Gerade feiern die Verlage erste Erfolge mit ihren Digital-Abos, da droht nach Erkenntnissen von Richard Gutjahr neues Ungemach. „Die Digitalanzeigen brechen ein – in einem Umfang und Tempo, wie das wohl keiner für möglich gehalten hätte. Wohin die Budgets wandern, ahnt der seriengestählte Zuschauer natürlich längst. Und dass sich die Sender und Verlage ihre Netzprojekte…

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Call for Abstracts, Papers, Contributions für die Next Economy #NEO19x vom 26. bis 28. November – Habt Ihr Ideen? — ichsagmal.com

Vom 26.-28. November 2019 wird die Live Konferenz Next Economy Open unter dem Hashtag #NEO19x zum vierten Mal in Zusammenarbeit mit der Hochschule Fresenius stattfinden. „Die erstmals 2015 von dem Blogger, Journalisten, Volkswirt und Lehrbeauftragten Gunnar Sohn als stationäre Konferenz in Bonn initiierte Veranstaltung wird seit 2016 live und in Farbe ins Internet gestreamt. Gunnar…

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Neuer Podcast: Wie sauber ist unser Wasser? Welche Folgen hat autonomes Fahren für den Menschen? Wie kommen wir mit guter Laune durch die dunkle Jahreszeit?

Neuer Podcast: Wie sauber ist unser Wasser? Welche Folgen hat autonomes Fahren für den Menschen? Wie kommen wir mit guter Laune durch die dunkle Jahreszeit?

www.ne-na.me


Wie sauber ist unser Wasser? Welche Folgen hat autonomes Fahren für den Menschen? Wie kommen wir mit guter Laune durch die dunkle Jahreszeit? Das sind einige Fragen der ersten Podcast-Staffel. Ab August gehen Alexander Pradka und Melanie Hahn, Pressesprecher der Hochschule Fresenius, monatlich im Gespräch mit Experten Fragen und Problemen des Alltags auf den Grund.

adhibeo – der Wissenschaftspodcast ergänzt den gleichnamigen Wissenschaftsblog. „Adhibeo“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Ich wende an“: Das heißt, es geht um Forschung, die einen Praxisbezug hat. Wissenschaftler sitzen nicht in ihrem Elfenbeinturm, sie beschäftigen sich mit Themen, die uns alle angehen und unseren Alltag betreffen.

„In der digitalen Kommunikation wie in der Bildung werden Audio-Formate immer wichtiger. Mit unserem neuen Podcast-Format möchten wir den Zuhörerinnen und Zuhörern zeigen: Forschung ist nützlich für den Alltag. Unsere Experten können darüber hinaus ihre Forschungsschwerpunkte mit einer persönlichen Note präsentieren. Wir freuen uns über einen regen Austausch…

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„Ich bin zu alt, um nur zu spielen, Zu jung, um ohne Wunsch zu sein“ – Wie hält es die Gesellschaft mit radikalem technologischem Wandel? @UniGraz

„Ich bin zu alt, um nur zu spielen, Zu jung, um ohne Wunsch zu sein“ – Wie hält es die Gesellschaft mit radikalem technologischem Wandel? @UniGraz

www.ne-na.me

Von Rita Strohmaier, Marlies Schütz und Stella Zilian

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“, fragt Gretchen Faust in Goethes gleichnamiger Tragödie. Nun, vermutlich nicht so. Schließlich ließ sich Faust, der wohl berühmteste Wissenschaftler in der deutschen Literaturgeschichte, auf einen Pakt mit dem Teufel ein, weil er an der Fähigkeit der Wissenschaft, die Natur tatsächlich zu begreifen, (ver)zweifelte. Heute, im Zeitalter der Digitalisierung, scheint die Gesellschaft dem Deus ex Machina, dem Gott aus der Maschine, hinterher zu pilgern. Der Staat tut das seinige dazu, den Technologiewandel – etwa in der Biologie, den Medien, oder der Robotik, – zu orchestrieren. Ohne den Teufel an die Wand zu malen, sollten wir uns die Frage stellen, ob und wie wir mit den aus der Diffusion neuer Technologien resultierenden Veränderungen aus sozioökonomischer Sicht Schritt halten können. Ist das bestehende System fähig, radikalen technologischen Wandel über kurz oder lang zu kontrollieren? Wenn nicht, welchen…

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Max Weber wird „heftiger und lauter, #Schumpeter sarkastischer und leiser“ – Zwei Großdenker streiten im Wiener Café Landtmann — ichsagmal.com

Ab 1911 unterrichtet Joseph Schumpeter Volkswirtschaftslehre in Graz. Vorher war er vom Wintersemester 1909/1910 bis zum Sommer 1911 außerordentlicher Professor für politische Ökonomie an der Universität Czernowitz. Seine Karriere als Professor begann also in seinem 26. Lebensjahr. Schon 1911 legt er mit der „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ eines seiner Hauptwerke vor. Beruflich ist er also…

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@caspary @AxelVossMdEP Hört auf, die Netzszene und die @Netzpiloten zu verscheißern – Setzt die Abstimmung über die Urheberrechtsreform aus #Uploadfilter #Axelsurft — ichsagmal.com

In der Debatte über die Urheberrechtsreform ist sehr viel Porzellan zerschlagen worden. Jüngst durch Daniel Caspary, Europaabgeordneter der Union, der behauptet, dass es Versuche gebe, Gegner der Richtlinie für die Teilnahme an Demos mit bis zu 450 Euro zu bezahlen. Und nun schreibt er: „Um eines klarzustellen: nie habe ich gesagt, alle Demonstranten seien gekauft.…

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Macht und die Kaste der Manager – Warum wir in Bonn neue Schumpeter-Unternehmer brauchen #GemeinsamGründen — ichsagmal.com

Joseph Schumpeter war ein großer Sozialwissenschaftler und ist es immer noch in dem Sinn, dass seine Persönlichkeit und seine Arbeiten weiter wirken, sagt Heinz D. Kurz, Mitherausgeber des Bandes „Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums – Zur Aktualität von Joseph A. Schumpeter“. Vor allem über seine Bücher und Aufsätze, die als Referenzwerke und als…

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