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„Verehrte Maschinenbauer – vermasselt den Vorsprung im Anlagenbau nicht.“ #NEO22

Vom Komiker W. C. Fields stammt das Bonmot: „Wenn du sie nicht mit Genialität blenden kannst, überwältige sie mit Geschwätz.“ So etwas erleben wir jeden Tag bei Netzthemen. „Wenn man heute eine Konferenz besucht, präsentieren benannte oder selbst ernannte Experten gern Künstliche Intelligenz“, sagt PwC-Analyst Stefan Holtel im Adhoc-Interview: „Sie schwelgen in Aussagen wie ‚Künstliche Intelligenz wird, dem Internet vergleichbar, alle Lebensbereiche revolutionieren.‘ Die meisten bleiben aber die Antworten schuldig.“ Sie erklärten nicht, was das genau für Arbeit und Alltag bedeute. Und, noch wichtiger: wie man praktisch damit umgehe, kritisiert Holtel. Niemand könne mit Sicherheit wissen, wie sich Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in den nächsten fünf oder zehn Jahren durch Künstliche Intelligenz verändern werden, so der Autor des Buchs „KI-volution“.

Um die Relevanz digitaler Dienste und Produkte für Unternehmen zu erfassen, reiche es nicht aus, Influencer-Märchen auf Instagram zu verbreiten, sagt Technikjournalist Robert Weber: „Corona hat doch gezeigt, wie wichtig Lieferketten, Logistik, 3D-Druck, Industrieprozesse, Elektrifizierung und Automatisierung sind. Dahinter steht schwierige Technik, die sich nicht auf Selfie-Niveau vermitteln lässt.“ Solche Anwendungen seien nicht partytauglich.

Zudem gebe es bei den klassischen Medien kaum Fachjournalisten, die so etwas gut erklären könnten oder wollten. „Eine rühmliche Ausnahme ist der Tagesspiegel“, so Weber. Er verweist auf eine Mahnung von Sepp Hochreiter, Professor für Machine Learning, ein Vater des Long-short-term-memory-Algorithmus, ohne den Siri, Alexa und Co. stumm wären: „Verehrte Maschinenbauer – vermasselt den Vorsprung im Anlagenbau nicht. Wir sollten uns nicht an Google oder Baidu orientieren, auch wenn das in der Öffentlichkeit sehr attraktiv ist. Wir sollten in Europa, insbesondere in Deutschland und Österreich, unseren Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz (KI) im Maschinen- und Anlagenbau legen. Die sprechende Drehmaschine muss unser Ziel sein, nicht ein neues Smartphone.“

Die Ansätze seien da. „Doch wir müssen jetzt handeln, denn in den USA erklären mir die Firmen aus dem Silicon Valley: ‚Das bisschen Engineering kriegen wir hin oder kaufen wir uns dazu.‘“

Nathalie Kletti von MPDV Mikrolab, Spezialist für Software-Programme für die industrielle Fertigung, beschreibt den Status quo so: „Wer hat sich denn in den vergangenen Jahren mit der Entwicklung von Managementsystemen in der Fertigung auseinandergesetzt Verwalten von Produktionsmitteln in der Zuordnung zu Produkten; Wartungsarbeiten; Erfassen von Produktions- und Produktdaten zur statistischen Auswertung; Materialwirtschaft; Materialkunde; Einsatz von neuen Werkzeugen; Integration von 3D-Druck; Lieferketten Monitoring und dergleichen mehr.“

All das komme höchst selten vor auf Instagram, TikTok, Snapchat, Twitter, Facebook, YouTube oder Twitch. Es hat aber mit KI und Digitalisierung zu tun – und mit den Wissensvorsprüngen, die sich kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland erarbeitet haben.

Siehe dazu auch das Interview mit Marius Grathwohl vom Maschinenbauer Multivac. Liegt auf einer Linie mit den Ausführungen von Robert Weber:

Dazu auch interessant die #NEO22 Session am 1. Dezember:

Von gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

2 Antworten auf „„Verehrte Maschinenbauer – vermasselt den Vorsprung im Anlagenbau nicht.“ #NEO22“

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