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Netzökonomie ohne Innovationstheater: #NEO22-Session von @rafbuff

Leblose digitale Begriffskaskaden befördern Entscheider in #Politik und #Wirtschaft ins tatenlose Koma. Und das ist schon seit Jahren so. Egal, ob die #Digitalisierung in Koalitionsverträgen, Talkrunden oder von sogenannten Top-Speakern aufgegriffen wird: Digitaler Wandel? Alles nur Gequatsche. Pseudoschlaue Blindfische reden über Künstliche Intelligenz, Disruption, 5G, Content Management-Systeme und das Internet der Dinge. In Wahrheit können sie noch nicht einmal ISDN von DSL unterscheiden oder versagen bei der Bedienung von Redaktionssystemen. Alles schon erlebt. Hauptsache, die Phrasen wirken innovativ. Wenn digitale Idioten auf digitale Idioten in unterschiedlichen Kontexten treffen, kommt Bullshit heraus: Tarnung, Lüge, Angeberei, Täuschung und Leerformeln erzeugen technologischen Schrott. Häufig sitzen auf der Auftraggeber- und auf der Auftragnehmer-Seite solche Hohlköpfe.

Das gilt auch für die Beurteilung innovativer „Hochleistungen“ des Silicon Valley. In ihrem Buch „Wie wir mit Wissenschaft und Technik die Welt wieder in Balance bekommen“ verweisen Thomas Ramge und Rafael Laguna de la Vera auf Untersuchungen des Techniksoziologen Lee Vinsel. Demnach dominiert sogar in den Big-Tech Unternehmen eine pathologische Mischung aus Selbstüberschätzung und Realitätsverweigerung.

Je offenkundiger es werde, dass die großen Innovationssprünge ausblieben, desto stärker drehe das Technologiemarketing den Lautsprecher auf. Man schmeißt dann noch schnell eine vielstellige Summe in die Ads-Maschine, um gegenüber dem Vorstand in neuem Glanz zu erscheinen. Das gilt übrigens auch für das Nachhaltigkeitsmanagement. Häufig bearbeiten die Marketingabteilungen dieses Thema. „Auf ihren Bühnen beherrschen die Innovationsschauspieler ihren Innovationssprech in Perfektion“, schreiben Ramge und Laguna de la Vera. Das Ganze ist nicht nur ermüdend, sondern sogar gefährlich: Das Innovationstheater beschert uns Firmen, die uns schädliche Produkte, Software und schlichtweg Schwindeleien unterjubeln, wie etwa Wirecard.

Zudem lenken die Geschichtenerzähler mit ihren Hyperloops und Superintelligenzen von den wahren Problemen ab. Man braucht sich nur den Zustand der Verkehrsinfrastruktur in den USA anschauen oder unsere Brücken, Schienen und Straßen. Die Schwätzer im Innovationstheater bewirken das Gegenteil ihrer Beschwörungen: Alles bleibt, wie es war. Darauf verweist beim Zukunftsdiskurs der D2030-Initiative. Wer Interesse an wirklicher Veränderung habe, müsse auf ein neues Leistungsbild schauen und nicht einfach an die Stelle alter Routinen neue Dogmen setzen. „Viele beten nach, was andere predigen, statt die Welt mit eigenen Augen und kritischem Verstand verstehen und gestalten zu wollen“, so Lotter, der zu diesem Thema ein Buch verfasst hat. Titel: „Strengt Euch an!“. Wir sollten nicht jenen an den Lippen hängen, die über Technologie schwadronieren, sondern Persönlichkeiten nach vorn bringen, die wirklich Impulse setzen in synthetischer Biologie, in der Chemie, Medizin, Agrarwirtschaft, in der Chip-Entwicklung, Robotik und bei der Anwendung von KI in der Industrie. Wir müssen die echten Innovatoren erkennen und die Schwätzer links liegen lassen. Wer ist wirklich ein Homo Digitalis, der im 21. Jahrhundert Akzente setzen kann?

Wir werden das auf der Next Economy Open intensiv diskutieren mit Rafael Laguna de la Vera am Donnerstag, den 1. Dezember, um 13 Uhr.

Thema: Sprunginnovation: Wie wir mit Wissenschaft und Technik die Welt wieder in Balance bekommen #BonnSchumpeterLecture

Ihr könnt auf Zoom mitdiskutieren oder über die Kommentar- und Chatfunktionen von YouTube und Co.

Hier ist der Zoom-Link.

Siehe auch:

Von gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

5 Antworten auf „Netzökonomie ohne Innovationstheater: #NEO22-Session von @rafbuff“

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