Laptop, Lederhosen, Überwachungsstaat und das Strenger-Vater-Modell – Trump und der Sozialdarwinismus #NEO18x

Der Erfolg „exponentieller Organisationen“ wie Facebook und Youtube erklärt sich nach Ansicht des Next Act-Konferenzmachers Winfried Felser ebenso wenig mit alten Vorstellungen von Mensch und Ökonomie wie das Problem innerlicher Kündigungen, wie es von Gallup & Co. dokumentiert wird, die eben deutlich machen, dass der Mensch kein Homo Oeconomicus ist, der deterministisch auf Basis von Kontrakten perfekt funktioniert.

Was könnte die Alternative sein? Felser verweist auf eine „Ökonomie als Wissenschaft der leidenschaftlichen Interessen“, die von Bruno Latour und Vincent Antonin Lépinay mit Bezugnahme auf den Kriminologen, Soziologen und Sozialpsychologen Gabriel Tarde beschrieben wird. Vielleicht seien es ja gar nicht der Unterbau und die Produktionsverhältnisse, die die Ökonomie und die Gesellschaft bestimmen, sondern die Ideen, der „Überbau“ – wie es der Suhrkamp-Verlag in der Vorstellung des Buches auf der eigenen Website formuliert.

Leidenschaftliche Ideen jenseits des Homo Oeconomicus

Nichts sei in dieser Ökonomie objektiv, alles ist subjektiv.

„Die Ideen und die Leidenschaft für Ideen oder auch der schöpferisch neu entstehende Sinn regieren die Welt. Mit Tarde stellen Bruno Latour und Vincent Antonin Lépinay natürlich Karl Marx, aber auch Feuerbach und die ‚Materialisten‘ und ‚Rationalisten‘ in den Schulen des Ökonomischen von den Füßen auf den Kopf. Dass der Soziologe und Philosoph Latour der Begründer der Akteurs-Netzwerk-Theorie ist, ist ebenso wenig verwunderlich wie sein Engagement für die Erforschung der kreativen Wissenschaft. Beides gehört als Erklärungsansatz und Anwendungsbereich in diesen Kontext einer neuen Logik, die auch Leidenschaften kennt“, so Felser in einem Beitrag für das New Management-Format des Haufe-Verlags.

Der unermüdliche Netzwerker Felser bringt den Deloitte-Vordenker John Hagel ins Spiel, der den narrativen Faktor für die Ökonomie betont: Erzählungen liefern den Kontext und das gemeinsame Ziel, das andere in die Bewegung hineinzieht und sie motiviert und konzentriert hält, während sie mit den unzähligen unerwarteten Hindernissen umgehen, die einer Veränderung im Weg stehen.

Wie passen Macht, Marktwirtschaft und starker Staat zusammen?

Nun gilt das für positive Antriebe, die sich vom mechanistischen Weltbild des Homo Oeconomicus wegbewegen wollen, aber leider auch für die vorherrschende ökonomischen Lehre. Wie passt beispielsweise die liberale Orientierung der Marktwirtschaftler zu den bigotten Zielen von Donald Trump und der CSU? In der Sicherheitspolitik nach innen und außen reden die Vulgär-Rechten dem starken Staat das Wort, ziehen alternative Lebensmodelle in den Schmutz, positionieren sich gegen Abtreibungen und plädieren in der Wirtschaftspolitik für weniger Regulierung, sinkende Steuersätze und einem geringeren Staatsanteil in der Volkswirtschaft.

Also heisst es: Laptop und Lederhose oder Wirtschaftsförderung und Überwachungsstaat. George Lakoff, Professor für kognitive Wissenschaft und Linguistik an der University of California, bringt zwei gegensätzliche Familienmodelle in die Diskussion, um diese politischen Widersprüche aufzulösen: das konservative und in zum Teil reaktionäre Familienmodell mit einer Strenger-Vater-Moral und das progressive Familienmodell mit einer Fürsorgliche-Eltern-Moral. Dahinter verbergen sich unterschiedliche Weltsichten und ein metaphorisches Denken über Staat und Gesellschaft.

Die Strenger-Vater-Moral passt zu den Gesängen der konservativen und national-liberalen Protagonisten wie die Faust aufs Auge. Dahinter steckt eine gehörige Portion Sozialdarwinismus – in moderner Form wird auch vom Digitaldarwinismus gesprochen. Es ist die populäre Vorstellung von einer Gesellschaft, die sich durch Wettbewerb optimiert.

Nur die Stärksten überleben?

Nur die stärksten Menschen setzen sich an die Spitze des Systems. Dabei besagt die Evolutionstheorie etwas völlig anderes: Charles Darwin sprach von „survival of the fittest“ – also dem Überleben der Passenden, derjenigen, die sich am Besten anpassen können. Es geht um ökologische Nischen und nicht um das vulgärkapitalistische Credo von Donald Trump: „Nur der Stärkste gewinnt“.

Die Theorie von Darwin hat aber nicht das Geringste mit Eigenverdienst zu tun.

„Es hat zu tun mit ökologischen Nischen und damit, per Zufall am besten in diese Nischen zu passen“, erläutert Lakoff.

Mythos des freien Marktes

Dennoch dominiert der Mythos vom Markt als natürlicher Gewalt – also das, was Adam Smith als Begründer der marktwirtschaftlichen Theorie im 18. Jahrhundert an Stecknadel-Weisheiten in die Welt gesetzt hat. Wenn jeder seinen eigenen Profit anstrebt, dann wird der Profit aller maximiert – also durch die unsichtbare Hand. So eine Art Naturgesetz. Dieser freie Markt ist aber eine Erfindung. Er ist eine Metapher. Alle Märkte sind in Wirklichkeit konstruiert.

„Sie sind gemacht von Menschenhand. Und sie können geändert werden. Und Progressive sollten öffentlich darüber sprechen, dass der freie Markt ein Mythos ist, dass er nur frei innerhalb bestimmter Regeln ist, die ihn strukturieren, und dass diese Regeln geändert werden können“, so Lakoff.

Wer die Metapher vom freien Markt akzeptiert, begibt sich auf die Leimspur der Rechten: Progressive im Sinne des Modells von Lakoff werden zu Kräften abgekanzelt, die den Markt durch Regulierungen unfrei machen wollen.

Die semantischen Tricks von Lindner & Co.

Das sind semantische Tricks, die man in jeder Rede von FDP-Chef Christian Lindner serviert bekommt. Problem: Die Befürworter des progressiven Lebensmodells, die sich um andere Menschen sorgen und nicht gegen andere Menschen behaupten, lassen sich immer wieder auf dieses sprachliche Glatteis leiten. Man unterschätzt, dass Frames, Metaphern und Sprachbilder einen Gutteil unseres Denkens bestimmen.

Informationen, die im Widerspruch zu gedanklichen Frames und zum eigenen Deutungsrahmen stehen, werden ignoriert, betont Lakoff. Als Beispiel verweist er auf die Bezeichnung „Steuererleichterung“. Das so harmlose Wort aus den Think Tank-Stuben der Rechten suggeriert, dass wir alle künstliche Lasten tragen müssen – also Steuern (zu den Rechten zähle ich übrigens auch die so genannten Libertären, die den Staat generell verfluchen).

Wer für „Steuererleichterungen“ eintritt, ist jemand, der für Bürgerinnen und Bürger etwas Gutes vollbringt. Man befreit Menschen von Lasten. Im Umkehrschluss sind Steuerbefürworter politische Kräfte, die anderen schaden wollen. Eine ziemlich perfide und zynische Strategie, die selbst bei der Arbeiterschaft in den ältesten und größten Industrieregionen der USA fruchtet – den Rust Belt-Bundesstaaten.

Vulgärkapitalisten als Trittbrettfahrer

„Dieser Frame blendet die Tatsache aus, dass die wohlhabenden Menschen in unserer Gesellschaft zu einem großen Teil das gemeinsame Vermögen der Gesellschaft nutzen, um ihren Wohlstand zu begründen und zu mehren“, sagt der Wissenschaftler Lakoff.

Etwa Immobilien-Spekulanten in Bonn, die auf einen weiteren Anstieg der Bodenpreise setzen und Luxussanierungen in der Südstadt betreiben. Ohne die von der Allgemeinheit finanzierte Infrastruktur wären die Bodenpreis-Steigerungen aber gar nicht möglich. Entsprechend sollten die Grundsteuern für all jene drastisch erhöht werden, die mit der Knappheit von Liegenschaften in Ballungsräumen satte und unappetitliche Renditen einstreichen.

Keine Angst, liebste Reihenhaus-Fraktion, man könnte das am Wert der Immobilien festmachen. Welchen Frame sollten die Progressiven besetzen, um nicht mehr der rechten Strenger-Vater-Moral zu folgen?

„Man kann Frames schaffen, in denen Steuern nicht als Abgabe unseres privaten Vermögens an den Staat begriffen werden, sondern als Rückerstattung dessen, was die Gesellschaft uns im Vorwege zur Verfügung gestellt hat“, so Lakoff.

Beispielsweise das von Steuergeldern aufgebaute Internet.

Wer versucht, etwas auf Kosten der Gemeinschaft umsonst zu bekommen?

Andreas Zeuch von den Unternehmensdemokraten bringt das Phänomen der externalisierten Kosten ins Gespräch.

Wir könnten die Externalisierung von Kosten als einen unlauteren Wettbewerb verstehen und bestrafen. Wenn Unternehmen eigene Kosten sozialisieren und Gewinne privatisieren, wie die Energiekonzerne bei der Handhabung des Atommülls, sollten sie mit dem Wettbewerbsrecht zur Rechenschaft gezogen werden. Will man solche Fakten in der öffentlichen Debatte nach vorne bringen, muss man einen Frame erwecken, in dem diese Fakten bedeutsam sind, empfiehlt Lakoff. Man darf dabei aber nicht die politischen Frames des Gegners übernehmen.

Zur Vertiefung des Themas empfehle ich das Buch von George Lakoff und Elisabeth Wehling „Auf leisen Sohlen ins Gehirn – Politische Sprache und ihre heimliche Macht“, erschienen im Carl-Auer-Verlag.

Dieses Thema könnten wir auch in einer Session auf der Next Economy Open vertiefen. Interesse? #NEO18x

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Rechtfertigungserzählungen der herrschenden ökonomischen Lehre #NEO18x

Obwohl vielen Vertretern der so genannten Mainstream-Ökonomie klar ist, dass man politisch nicht im luftleeren Raum operiert und es auch immer um normative Fragen geht, sehen sich die Mainstream-Ökonomen dennoch als politisch neutral. Es gibt nach Ansicht von Rüdiger Bachmann, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana, keinen monolithischen Block von Marktliberalen oder Libertären.

Man würde eher das komplette parteipolitische Spektrum auch bei den Ökonomie-Professoren finden.

„Der akademische Mainstream ist bei normativen Fragen zurückhaltender. Man kann Modelle oder Daten erst einmal sprechen lassen ohne direkt abzutesten, welche politischen Implikationen das nach sich zieht“, so Bachmann.

Auf meine Intervention, ob das nicht pharisäerhaft sei, sich hinter Modellen zu verstecken, antwortete Bachmann, das habe mit Pharisäertum nichts zu tun, das ist wissenschaftlich.

„Ich habe da keine politische Agenda.“

Man könne Ökonomik betreiben mit einem Minimum an normativer Ausrichtung. Protagonisten, die sich von der herrschenden Lehre abwenden, werden aber nicht als Methoden-Kritiker gewertet, sondern vom Mainstream abgewatscht. Bachmann sprach von politischer Agitation. Der Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, Professor Achim Wambach, sieht das ähnlich.

„Der pluralen Ökonomenbewegung geht es vielfach mehr um Politik als um Wissenschaft, da schwingt oft eine markt- und kapitalismuskritische Agenda mit.“

Wer ist nun links und wer ist rechts in der Ökonomik?

Sind dann die Mainstream-Ökonomen rechts und reaktionär, wenn das andere Lager doch angeblich links ist? Diese Stigmatisierungen führen zu nichts. So wertet Professor Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius in Köln, die Disputation mit Bachmann:

„Da wird, wenn es um die Pluralen geht, in politischen Kategorien wie rechts und links argumentiert, die in meinen Augen – trotz einer aktuellen Renaissance – historisch obsolet sind.“

Dann gehe es in den Antworten des Mainstream-Ökonomen direkt wieder auf eine empiristische Argumentationslinie. Das sei auch nicht schlüssig, weil beispielsweise mit der Gewichtung von Faktoren riesige Hintertüren offen bleiben.

„Oder anders: Man beruft sich auf Daten, verfolgt aber de facto und durch die Hintertür interpretative Zugänge, die aber dann ausgeblendet oder gar scharf zurückgewiesen werden.“

Becker fehlen in den Aussagen von Bachmann sowohl die Verortung der Mainstream-Ökonomik als auch der schlüssige rote Faden in der Argumentation. Bleibt das Argument von Wambach und Co. übrig, dass es ja mit der Verhaltensökonomie in Kombination mit neurowissenschaftlicher Kleckskunde, mit Institutionenlehre, Spieltheorie und finanzwissenschaftlichen Modellen genügend Ansatzpunkte für Methodenvielfalt im Mainstream gibt.

Aber auch das ist eine dürftige Replik. Es sind Rechtfertigungserzählungen. Bei den verhaltensökonomischen Laborexperimenten denkt man, den homo oeconomicus besser zu verstehen. Man hat ein wichtiges Defizit im klassischen Ansatz gekittet und alles ist wieder in bester Ordnung.

„Die Ökonomie hat ihr Standardmodell, dann wirft man ihr irgendetwas vor: Kein Problem, das kriegen wir gefixt. Jetzt machen wir Experimente, jetzt haben wir doch einen sehr viel differenzierteren homo oeconomicus. Aber was sie eben nicht leistet in einer Zeit des massiven Umbruchs, ist Orientierung. Diese Welt, in der wir heute leben, ist ja in einer ganz massiven Form durch die Ökonomie geprägt. Jetzt merken wir, dass ganz viele Dinge auf uns zukommen, die eine gewaltige neue Herausforderung darstellen“, so Professor Uwe Schneidewind in der Diskursreihe der D2030-Initiative.

„Die ökonomischen Dynamiken treiben die ökologische Sache immer noch in die falsche Richtung. Aber auch Fragen wie die Digitalisierung. Plötzlich haben wir mit Null-Grenzkosten-Produkten zu tun, wir haben mit Produktivitätssprüngen zu tun, die vermutlich das Maß vorangegangener technologischer Wenden noch mal überwinden. Jetzt würde man sich ja eine Ökonomie wünschen, die vor denkt. Was heißt das? Auch so etwas wie Grundeinkommen, wie organisieren wir unseren Sozialstaat? Das sind ganz neue Formen. Was ist denn eigentlich mit der Geldwirtschaft in einem Zeitalter von Bitcoin? Also wenn es vielleicht gar keine Zentralbanken mehr gibt und braucht. Also ganz viele Fragen.“

Experimente in Boxen

Mainstream-Ökonomen wirken nicht als öffentliche Intellektuelle. Sie versagen als Orientierungskompass und verkriechen sich mit ihren teilweise irrelevanten Experimenten in Boxen und kanzeln Kritiker als linke Spinner ab, die mit statistischen Verfahren und Mathematik auf Kriegsfuß stehen. Wenn man tradierte Ökonomen mit empirischen Methoden in ihrem Modellplatonismus zerlegt, reden sie sich mit Rechenfehlern heraus oder verweisen auf notwendige Vereinfachungen in den Berechnungen.

Dahinter stecken Immunisierungsstrategien, um sich einer wissenschaftstheoretisch sauberen Überprüfung zu entziehen. Hans Albert hat das in seiner Schrift „Nationalökonomie als Soziologie der kommerziellen Beziehungen“ ausführlich dargelegt:

„Eines der beliebtesten Mittel, ökonomische Aussagen zu tautologisieren und sie damit empirischer Überprüfung zu entziehen, ist die Verwendung der so genannten ceteris-paribus-Klausel. Wenn ein ökonomisches ‚Gesetz‘ unter Anwendung dieser Klausel formuliert wird, dann ist der mehr oder weniger offenkundige Zweck dieser Einschränkung der, dieses Gesetz vor Falsifikation zu schützen. Wenn ein dem ‚Gesetz‘ widersprechender Fall aufgezeigt werden kann, dient die Klausel sozusagen seiner ‚Rettung‘ durch Aufweis eines Faktors, der nicht konstant geblieben ist.“

Wann stellt die Wirtschaftswissenschaft wieder spannende Fragen?

Man kann normativ, plural oder heterodox unterwegs sein und gleichzeitig etwa in der Bewertung von Szenarien mit statistischen Verfahren arbeiten. Was generell fehlt, ist nach Meinung von Schneidewind eine Ökonomie, die spannende und richtige Fragen stellt. „Das ist der Grund, warum ich gerne an die Uni gehe, weil ich merke: Wow, die behandeln da genau die richtigen Themen, die gesellschaftlich relevant sind. Von dorther wird man dann sehen, dass die Ökonomie automatisch pluraler und sehr viel interdisziplinärer sein muss. Etwa beim digitalen Wandel. Das bekommt man nur in den Griff, wenn ich auch ein technologisches Verständnis habe, wenn ich mich mit den sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen Dynamiken auseinandersetze. Dadurch wird das also sehr viel multidisziplinärer und es findet idealerweise auch ein ganz intensiver Austausch mit Leuten statt, die diese Prozesse gestalten. Plötzlich kommen auch Unternehmen und Unternehmer gerne in Unis, um mitzudiskutieren, weil sie merken: Das hilft ihnen.“ Das sei heute alles nicht gegeben, weil sich das Fach nur über seine Methode definiert.

„Du kannst heute Karriere in dem Fach machen, wenn du die irrelevantesten Fragen ökonomisch sauber behandelst“, kritisiert der Präsident des Wuppertal-Instituts.

Da gebe es keine Inspiration – beispielsweise für die Politik.

„Wenn die Merkel den Sachverständigenrat weglächelt, weil sie sagt: Hey, das kann ich sowieso gleich in die Kiste schmeißen, weil es mir für meine Wirtschaftspolitik keine Orientierung gibt. Und wenn du einen Management-Praktiker fragst, wann er zum letzten Mal aus der Management-Lehre der BWL-Fakultäten einen Impuls bekommen hat, dann muss der ganz lange überlegen, wenn ihm überhaupt irgendetwas einfällt. Diese komplette Inspirationslosigkeit des Faches kann ich nur dadurch drehen, indem ich wieder die richtigen Fragen stelle. Dann ergibt sich der Rest von selbst“, sagt Schneidewind.

Private Hochschulen sorgen für frischen Wind

Es sei ja schon fast eine paradoxe Situation, dass die kritische Ökonomie, die das bestehende System hinterfragt, heute eher an privaten Hochschulgründungen gedeiht als an den staatlichen. Das sollte so nicht sein, moniert Schneidewind. Was wir ökonomisch erleben, müsse kritisch hinterfragt werden.

„Dafür hat man staatliche Universitäten gegründet, damit es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gibt, die frei von ökonomischen Zwängen das System in Frage stellen können. Es ist eine verkehrte Welt: Die staatlichen Häuser legitimieren das weiter und die kritischen Impulse kommen aus privaten Uni-Gründungen.“

Die Ursache sieht Schneidewind im Reproduktionsmodus des akademischen Systems. Nach den Reformwellen in den 60er und 70er Jahren, die sehr stark sozialwissenschaftlich und kritisch geprägt waren, kam eine Gegenbewegung mit einem naturwissenschaftlichen Paradigma. Am Ende verödet halt die Mainstream-Ökonomik an Monotonie. Ich halte es für Zeitverschwendung, an eine Reformfähigkeit der etablierten Lehre zu glauben. Eher sollten private Institutsgründungen für neuen Geist sorgen. Darüber könnten wir debattieren auf der diesjährigen Next Economy Open am 14. und 15. November.

Schumpeter und die narrative Ökonomie #NEO18x

Die Schumpeter-Vorlesungen in Bonn

Professor Robert Shiller von der Yale-Universität wundert sich, warum sich die Ökonomen-Zunft nicht stärker mit dem Faktor der Narration beschäftigt, um wirtschaftliche Schwankungen zu erklären. Also Erzählungen, die sich wie ein Virus verbreiten, neudeutsch viral werden oder sich als Mem entpuppen und das Denken und Handeln der Menschen beeinflussen. Die Kollegen des Wirtschaftsnobelpreisträgers Shiller haben vielleicht Besseres zu tun. Die meisten. Sie arbeiten lieber mit Gleichungen, rechnen mit allgemeinen Gleichgewichtsmodellen, fabulieren von Angebots- und Nachfrageströmen und laufen der Illusion hinterher, mit Preisen und der Entwicklung der Geldmenge das wirtschaftliche Geschehen zu erläutern.

Ursache- und Wirkung-Irrtümer in der Ökonomik

Dabei sind sie häufig nicht in der Lage, in ihren Formeln Wirkungen und Ursachen zu unterscheiden. Es passiert sogar, dass sie den ceteris paribus-Variablen kausale Wirkungen zuschreiben. Oder die Wirkungen gehen ihren Ursachen voraus.

„Die Werte der Variablen können nur anhand dessen ermittelt werden, was sie eigentlich erklären sollen“, so Tobias Schmidt zum Phänomen der Zirkelschluss-Ökonomie, die man nicht widerlegen kann und somit wissenschaftstheoretisch eher der Theologie zuschreiben sollte.

Die Schwächen der Theorie werden dennoch weggebügelt, etwa von einem FAZ-Leser aus Mörfelden-Walldorf:

„So wichtig und zum Teil sogar amüsant solche ‚Narrative’ im Einzelfall auch sein mögen, so können sie doch eine systematische theoretische Durchdringung von wirtschaftlichen Großkrisen mit Hilfe mathematischer Modelle nicht ersetzen.“ (Erinnert Euch an das Ursache-Wirkung-Verwirrspiel der ceteris paribus-VWL-Theologen, Anm. d. Autors). „Von daher erscheint es mir wichtiger, die praktische Anwendung solcher Modelle etwa durch einen Ausbau der ökonometrischen Forschung zu verbessern, als nach lustigen oder auch weniger lustigen Anekdoten und Erzählungen zu suchen. Auch gegen noch mehr und bessere praktische Beispiele in der Volkswirtschaftslehre, wie es der langjährige Doyen der Wirtschaftswissenschaften, Paul Samuelson, in so vorbildlicher Weise vorgeführt hat, sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit angrenzenden Disziplinen wie der Geschichte, der Politologie, der Soziologie oder der Psychologie wäre meines Erachtens nichts einzuwenden. Aber Narrativ-Ökonomie? Nein, danke!“

Schumpeter war in Bonn weiter

Was der Doktor dort zu Papier gebracht hat, würde einem wohl auf fast jeder VWL- oder BWL-Fachtagung entgegen geschleudert werden. Wer die Gottheiten der Mainstream-Ökonomik antastet, erntet „Nein, danke“-Repliken. Dabei waren Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland schon einmal weiter, etwa Joseph Schumpeter, der in seiner Lehrtätigkeit an der Bonner Universität der mentalen Verfassung der Gesellschaft nachging. Die So­zio­lo­gie taucht nicht zu­fäl­lig so häu­fig in seinen Vor­le­sun­gen auf.

Wirtschaftsordnung und mentale Verfassung der Gesellschaft

Als er 1927 sei­nen ers­ten Auf­ent­halt als Gast­pro­fes­sor an der Har­vard Uni­ver­si­tät an­trat, hat­ten sich die dor­ti­gen So­zio­lo­gen noch nicht vom wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tut ab­ge­spal­ten, um eine selb­stän­dige „Gruppe für So­zi­al­be­zie­hun­gen“ zu bil­den. Das er­wies sich für Schumpe­ter als glück­li­cher Um­stand, denn seine ei­gene Be­trach­tungs­weise der Ökonomie ori­en­tierte sich im­mer stär­ker an der So­zio­lo­gie. Er war be­strebt, un­an­ge­mes­sene Ver­ein­fa­chun­gen zu ver­mei­den. Seine Hin­wen­dung zu ei­ner in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Sicht­weise des öko­no­mi­schen Ge­sche­hens brachte er be­reits 1926 in ei­nem Auf­satz un­ter dem Ti­tel „Gus­tav von Schmol­ler und die Pro­bleme von heute“ zum Aus­druck. Darin wür­digt er Schmol­ler da­für, das Feld der Na­tio­nal­öko­no­mie über die Gren­zen der rei­nen Theo­rie aus­ge­wei­tet zu ha­ben.

Schmol­ler habe ge­mein­sam mit Max We­ber ei­ner neuen Art von his­to­risch fun­dier­ter Wirt­schafts­so­zio­lo­gie oder So­zi­al­öko­no­mie den Weg ge­wie­sen. Das war sei­nen ei­ge­nen For­schun­gen ge­schul­det und sei­nen Er­fah­run­gen in Po­li­tik so­wie Ge­schäfts­le­ben. Belege für diese These finden sich in dem Aufsatz von 1928 „Die Ten­den­zen un­se­rer so­zia­len Struk­tur“.

Hier un­ter­sucht Schum­pe­ter die Dis­kre­panz zwi­schen der Wirt­schafts­ord­nung Deutsch­lands und der So­zi­al­struk­tur. Die Wirtschaftsorga­ni­sa­tion war ka­pi­ta­lis­tisch, die deut­sche Ge­sell­schaft war aber in ih­ren Ge­bräu­chen und Ge­wohn­hei­ten nach wie vor in länd­li­chen, ja so­gar feu­da­len Denk­wei­sen ge­fan­gen – heute in­dus­trie­ka­pi­ta­lis­tisch. Die öffentliche Meinung hinkte der wirtschaftlichen Realität hinterher, mit fatalen Folgen für den Arbeitsmarkt.

Hipster-Scheiß mit Ausbeutungsabsichten

Virus, Frame oder Mem – hier geht es nicht um lustige Geschichten oder Anekdoten, es geht um die Orientierung der Menschen, die zu massiven Veränderungen der Volkswirtschaften führen können. Etwa die Story vom anarchischen Sillicon Valley, die in Wahrheit nur ein lauwarmer Hipster-Scheiß zur Rechtfertigung von unentgeltlich geleisteter Arbeit ist. Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Philip Mirowski sei das eine der wirksamsten Erzählungen zur Simulation von Rebellion. Man erzeugt eine blumige Fata Morgana, um den Menschen das Gefühl eines vollständigen Ausstiegs aus dem Marktsystem zu geben, um dieses Gefühl dann für Marktprozesse in Dienst zu nehmen.

Das Aufbegehren gegen das kapitalistische Establishment mit einer frechen Hacker-Kultur ist ein gigantisches Täuschungsmanöver. Dieses eigentümliche Hybrid aus freiwilliger unbezahlter Arbeit, hierarchischer Kontrolle und Kennzahlen-Orientierung in den Silicon Valley-Konzernen sowie kapitalistischer Aneignung sei in der gegenwärtigen Ära der Netzökonomie so vorherrschend geworden, dass manche darin eine neuartige Wirtschaftsordnung sehen. Der freiwillige Verzicht auf die Vergütung wertvoller Leistungen sorgt für satte Renditen bei den kalifornischen Technologie-Champions. Man bekommt als Gegenleistung das vage Versprechen, „Reichweite“ zu ernten und Netzwerke knüpfen zu können. „Für weniger als einen Hungerlohn erfüllen überqualifizierte Bittsteller die niedrigsten Aufgaben“, moniert Mirowski.

Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung

Das färbt auch auf die traditionelle Wirtschaft ab. Man baut auf die Freelancer-Ökonomie und lässt die Freiberufler im Geist der Selbstbestimmung und Freiheit mit mickrigen Honoraren vor die Wand laufen. Hauptsache, alle haben ein gutes Gefühl im Duz-Modus.

Diesen Teil der Silicon Valley-Geschichte sollte neu erzählt werden. Etwa über den Haudrauf-Unternehmer Oliver Samwer, der sogar sterben würde, um zu gewinnen. Think big hat er seinen Leuten als Losung aufgegeben. Execution now, lautet einer seiner Lieblingsbefehle. Da hilft nur weglaufen und den Mittelfinger zeigen:

„Mir widerfuhr die traurige Ehre, dass ich nur drei Tage Personalchef von Groupon war und mit den Samwer-Brüdern zusammen gearbeitet habe, bis ich mich mit einem dieser Typen so anlegte, dass ich in der Mittagspause gegangen bin“, erläutert Heiko Fischer von Resourceful Humans.

Jungunternehmer-Pornohefte feiern Vulgärkapitalisten

Den Führungsstil solcher Karrieristen müsse man aufbrechen. Nicht nur das. Man muss ihnen in der Öffentlichkeit die Leviten lesen und sie entlarven. Etwa die Geschichten im Jungunternehmer-Pornoheft Business Punk, in dem die neue Unanständigkeit gefeiert und Arschlöcher wie Uber-Gründer Travis Kalanick abgejubelt werden. Es ist ja auch abgefahren, wenn jemand Gesetze für sinnlos hält, Steuerhinterziehung predigt und staatliche Regeln mit exterritorialen Insel-Pseudostaaten aushebeln will.

Öffentliche Kontrolle, anstrengende und zeitraubende Gesetzgebungsverfahren stören die Business Punker. Als Ergebnis bekommen wir repressive Toleranz, wie es Herbert Marcuse formulierte. Repräsentiert von Vulgär-Kapitalisten wie Donald Trump. Antidemokratische Systemzersetzung im Geiste egozentrischer Machtspiele á la Peter Thiel.

Auch das ist Teil der narrativen Ökonomie, die man endlich öffentlich und ohne Schongang debattieren sollte.

In #NEO18x Hubs könnten wir das im Vorfeld diskutieren und Zwischenergebnisse am Donnerstag, den 15. November vorstellen. Am Mittwoch, den 14. November machen wir wieder einen Studi-Tag mit Live-Sendungen. Alle Sessions werden natürlich via Facebook Live übertragen.

Neue Narrative für die Netzökonomie – Wir starten die Konzeptphase für die Next Economy Open 2018 #NEO18x

Birger P. Priddat, Professor für Wirtschaft und Philosophie, hat einen genialen Weg gefunden, das Lehrgebäude der Ökonomik in seinen Grundfesten zu zerlegen. Die Wirtschaftswissenschaftler betrachten ihre akademische Disziplin bekanntlich wie eine soziale Physik, weil sie so genau, präzise und logisch sei. Problem: Dieser Glaube existiert nur in den Köpfen der Ökonomen. „Nichtökonomen können das nicht prüfen, da sie die Sprache der Ökonomie, insbesondere ihre Algebra, weder kennen noch verstehen“, so Priddat in einem Beitrag für die Zeitschrift „Kursbuch“ mit dem Schwerpunkt Bullshit-Sprech.

Nun ist das mit dem Nichtverstehen nicht so dramatisch. Von Quantenphysik haben die meisten Menschen auch keinen blassen Schimmer. Dennoch gilt die Wirkmächtigkeit dieser Forschungsrichtung. Beim wirtschaftlichen Handeln sieht das aber anders aus. Hier geht es um eine soziale und politische Ökonomie. Die meisten Akteure der Wirtschaft können mit der Sprache der Ökonomen nichts anfangen.

Die Sprache der Ökonomik hat mit dem Wirtschaftsgeschehen nichts zu tun

Sie nehmen sie nicht zur Kenntnis oder ignorieren sie in ihrem täglichen Schaffen. Das Verhalten der Wirtschaftsakteure ist irrationaler, emotionaler, moralischer, amoralischer, stimmungsabhängiger, kultureller geprägt, sozialer, konventionaler, als es der Normenkatalog der Rationalitäten der Ökonomik zulässt. „Die Wirtschaft funktioniert wunderbar, ohne dass die Akteure etwas von Ökonomie verstehen – jedenfalls nicht so, wie Ökonomen Ökonomie verstehen“, erläutert Priddat. Wenn das so ist, was leistet dann die Ökonomik überhaupt für die Analyse der Wirtschaft? Wenn viele nicht verstehen, was Ökonomen sagen: „Mit wem reden Ökonomen dann – außer mit sich selber? Wem erklären sie was? Und – wie funktioniert Wirtschaft dann tatsächlich?“, fragt sich der Wissenschaftler der Universität Witten-Herdecke. Vieles passt einfach nicht rein in die simplen mathematischen Modellwelten. Was algebraisch nicht abgebildet werden kann, bleibt links liegen. Oder man flüchtet sich in kleine Experimente mit völlig irrelevanten Forschungsfragen.

Es zählen hoch gerankte Journals und Berufungen

Was die Ökonomen in Ekstase versetzt, sind nicht wirkmächtige Erklärungen des Wirtschaftsgeschehens, sondern Veröffentlichungen in hoch gerankten Fachpublikationen. Ökonometrie und das experimentelle Design gelten als Ausdruck hoher Wissenschaftlichkeit, führen zu Berufungen an die universitären Lehrstühle, öffnen die Kassen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und bringen Steuergelder in die Drittfinanzierung – etwa über die Blaue Liste des Bundesfinanzministers. Ohne diese 40 bis 50 Millionen Euro, die jedes Jahr im Bundeshaushalt eingestellt werden, könnten die Wirtschaftsforschungsinstitute wohl nicht überleben.

Es fehlen mittlerweile Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit ihrer Form der Wissenschaft relevante gesellschaftliche und politische Debatten anstoßen, moniert Professor Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts, in einem Beitrag für den Sammelband „Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung“.

Dem Vorbild Kittler folgen

Für neue Forschungsansätze sind das doch ideale Bedingungen. Wir erschaffen eine neue Wissenschaft und verabschieden uns von der klassischen BWL und VWL. Wie das geht, hat Friedrich Kittler mit der Erfindung der Medientheorie unter Beweis gestellt – in einem antiakademischen Gestus übrigens.

Auf Basis der Untersuchungen von Priddat könnten wir das auch mit einer neuen Theorie für das Ökonomische versuchen. Nennen wir das Ganze einfach „Netzökonomie“ – da sind wir doch in der Next Economy Open-Community schon Trendsetter. Letztlich geht es im wirtschaftlichen Kontext um Kommunikation – also um Netzwerke: Familie, Verwandte, Freunde, Kollegen, Bekannte, Vereinsmitglieder, Stammtische, Nachbarn. „Kommunizieren ist gemeinsames Interpretieren“, schreibt Priddat. „Vertraut man bestimmten Netzwerken, kann diese Kommunikation entscheiden, welche Informationen informativ sind und welche nicht.“ Dabei spielen nach Ansicht von Priddat andere Dinge eine Rolle als rein ökonomische: Information, Kommunikation, Netzwerke, Vertrauen – hier befinden wir uns vollständig in der sprachlichen Dimension.

Der unterschätzte narrative Faktor

Die meisten ökonomischen Aktivitäten bestehen aus Überzeugungsarbeit. Realitäten werden über Dynamiken in Netzwerken erzeugt. Das kann man in tradierten Modellen nicht präzise abbilden und vorhersagen. Die Berechnungen der Ökonomik sind systematisch ungenau, weil die Methoden den narrativen Faktor mehr oder weniger ignorieren. Auf dieser Grundlage könne man ermessen, welchen Bullshit die Ökonomik erzählt, wenn sie uns suggerieren möchte, dass in die Zukunft hineingerechnet werden kann. Einbildungen – also Imaginationen – werden für die Entwicklung der Wirtschaft unterschätzt. „Die Wirkung der Imagination beruht auf der Plausibilität ihrer Erzählung, so dass der Rezipient guten Glaubens werden kann, fortan die Welt aus der Perspektive der Erzählung neu zu betrachten“, so Priddat. Das Wirkliche sei letztlich nichts anderes als das, was verwirklicht wird. Die Poesie der Ökonomie sei eine Produktion von Bedeutungen. Das kann positive und auch negative Wirkungen erzielen.

Meinungen über Tatsachen bestimmen das Handeln

So zählte der Ökonom Wilhelm Röpke zu den Ursachen für die Verschärfung der Weltwirtschaftskrise von 1929 psychologische Faktoren: Selbst bei einigermaßen feststehenden Tatsachen würde das Wort eines griechischen Philosophen gelten, dass nicht die Tatsachen die Handlungen der Menschen bestimmen, sondern die Meinungen über die Tatsachen.

Im digitalen Kontext geht das noch schneller als in den 1920er und 1930er Jahren. Wir brauchen dafür neue Beschreibungen und Erklärungen, wir brauchen andere Bilder und Konzepte der Ökonomie. Der methodologische Bullshit der Mainstream-Ökonomik läuft da ins Leere. Der Ausschluss von Ereignissen und Relationen, die Ignoranz kommunikativer Welten und die selbstbezüglichen Modellwelten demontieren die Wirtschaftswissenschaft. Wir brauchen etwas Neues und wollen das bei der diesjährigen Next Economy Open in den Vordergrund stellen.

In #NEO18x Hubs könnten wir das im Vorfeld diskutieren und Zwischenergebnisse am Donnerstag, den 15. November vorstellen. Am Mittwoch, den 14. November machen wir wieder einen Studi-Tag mit Live-Sendungen. Alle Sessions werden natürlich via Facebook Live übertragen.

Hobbes, Kant und die Next Economy – Ein Interview zur #NEO17x

ichsagmal.com

Joachim Neubauer, Redakteur der Hochschule Fresenius, hat mich zu meinem Lehrauftrag und zur diesjährigen Next Economy Open befragt. Hier die Audio-Aufzeichnung:

Er war sogar so nett, das Ganze zu transkribieren. Hier das Ergebnis:

JN:Vielen Dank , dass du Zeit hast für uns. Du bist Lehrbeauftragter hier an der Hochschule Fresenius. Könntest du kurz auf die Kerngebiete und die Hauptforschungsinteressen kurz eingehen, die du hier mit den Studierenden durchgehst.

GS: Der Schwerpunkt ist hier eine Mischung aus Volkswirtschaft und Wirtschaftsethik als Schwerpunkt, noch in Richtung CR, Unternehmensverantwortung. Der Schwerpunkt ist aber schon Wirtschaftsethik. In meiner Auslegung fange ich da nicht bei Aristoteles oder Platon in der Antike an, sondern dass ich das eher auf der Ebene des Methodenstreits der Ökonomie behandele. Der alte Werturteilsstreit zwischen Max Weber und den Kathedersozialisten, der schwingt bis in die heutige Zeit rein, wenn man sich auch die aktuellen Auseinandersetzungen anschaut, beispielsweise mit Professor Lutz Becker…

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Engagement und Ideenvielfalt auf der #NEO17x

ichsagmal.com

#NEO17x Werkstatt

Die Hochschule Fresenius hat die Next Economy Open medial begleitet. Hier die Pressemitteilung: Unter der Federführung von Dipl.-Volkswirt und Blogger Gunnar Sohn, der an der HSF Lehrbeauftragter für Wirtschaftsethik ist, hat in der Hochschule Fresenius erneut die digitale Konferenz #NEO17x stattgefunden. Sie befasste sich mit den wirtschaftlichen und wirtschaftsethischen Auswirkungen der unaufhaltsam voranschreitenden Digitalisierung.

Am ersten Tag stellten Studierende bei einer Preview unter der Leitung von Prof. Lutz Becker und Gunnar Sohn in fünf Gruppen unterschiedliche Themen argumentativ und medial vor. Dazu wurden wirtschaftliche und wirtschaftsethische Fragen unter dem Leitsatz „Wirtschaftsethik, Nachhaltigkeit, Plattform-Ökonomie“ von den Studierenden als benotete Projektarbeiten aufbereitet. Die Themen variierten dabei und reichten vom Programmpunkt „Aufbau oder Ausbeutung – Finanzierungsethik in der Gründerszene“, über „Autonome Mobilität“ und ihre Vorteile und Risiken bis hin zum heiklen Thema „Mutter Erde auf dem Teller“, einem Beitrag mit einer ethischen Einschätzung über den Fleischkonsum.

Hierbei demonstrierten die Studierenden ein…

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